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SCCT 2026 vs. 2014: Was sich im Befund der Koronar-CT-Angiographie geändert hat

Das Konsensusdokument der SCCT von 2026 aktualisiert die Leitlinien von 2014 zur Interpretation und Befundung der Koronar-CT-Angiographie. Diese Seite vergleicht acht Änderungen anhand wörtlicher Zitate aus beiden Dokumenten; die Seitenangaben für 2026 beziehen sich auf das vorläufige PDF (Journal Pre-Proof) und können sich in der endgültigen Fassung ändern. Die Definitionen des Glossars folgen bereits der Fassung von 2026.

Das Wichtigste

  • Die globale Plaquelast (P1–P4) wird zu einem Befundbestandteil mit starker Empfehlung, und die koronare Beurteilung folgt dem Format von CAD-RADS 2.0.
  • Bei dichter verkalkter Plaque wird der höchste sichtbare Stenosegrad angegeben, mit dem Hinweis, dass er durch Blooming überschätzt sein kann.
  • In einer Untersuchung guter Bildqualität werden Äste ab 1,5 mm beurteilt; eine Läsion an der Grenze zweier Segmente wird dem vorangehenden Segment zugeordnet.
  • Der proximale RIVA (LAD) endet nur am ersten großen Septalast, der RCX (LCX) hat kein mittleres Segment mehr, und die Plaque wird als verkalkt, teilverkalkt oder nicht verkalkt klassifiziert.

Globale Plaquelast (P1–P4)#

SCCT 2014

Die Leitlinie forderte, die Ausdehnung der Erkrankung zu beschreiben, enthielt aber keine Skala für die globale Plaquelast. Der einzige globale Index war der Kalzium-Score (Agatston-Gesamtscore und Perzentil), sofern eine native Untersuchung ohne Kontrastmittel durchgeführt wurde.

SCCT 2014, Abschn. 4 (Noncontrast coronary interpretation: coronary calcium scoring), S. 345; Tab. 4, S. 347 · “at the minimum, the total calcium score should be reported as well as the percentile as compared with age and gender nomograms.”

SCCT 2026

Die globale Plaquelast ist ein Befundbestandteil mit starker Empfehlung. Sie wird visuell als gering, mäßig, hoch oder sehr hoch (P1–P4) abgeschätzt, in Kombination mit dem Kalzium-Score oder dem SIS (Tab. 3). Die quantitative Messung des Plaquevolumens ist optional (schwache Empfehlung, 1.3).

SCCT 2026, Tab. 5, S. 51; Tab. 3, S. 49; Abschn. „c. Plaque volume“, S. 14; Tab. 6, S. 52 · “Plaque burden assessment is performed qualitatively as mild, moderate, severe, or extensive in combination with either the calcium score or the segmental involvement score.”

In der Praxis. Jeder Befund mit Plaque enthält neben der Stenosekategorie eine Zeile zur globalen Plaquelast, z. B. „Plaquelast: mäßig (P2; SIS 4).“ Wurde keine native Untersuchung für den Kalzium-Score durchgeführt, wird die Plaquelast mit dem SIS oder visuell abgeschätzt.

Begriff im Glossar: Plaquelast (P1–P4)

Beurteilung und Empfehlungen nach CAD-RADS 2.0#

SCCT 2014

Die Beurteilung sollte die klinisch relevanten Befunde so klar und standardisiert wie möglich zusammenfassen, jedoch ohne Kategoriensystem, da CAD-RADS noch nicht existierte. Klinische Empfehlungen waren optional (Tab. 4).

SCCT 2014, Abschn. 10.7 (Impressions), S. 352; Tab. 4 („Clinical recommendations: Optional“), S. 347 · “All clinically important findings should be summarized in this section in as clear and standardized fashion as possible.”

SCCT 2026

Die koronare Beurteilung soll kurz sein und dem Format von CAD-RADS 2.0 folgen (starke Empfehlung, Tab. 6). Laut Text kann die Stenosekategorie angegeben werden, gefolgt von der Plaquelast (P1–P4) und den Modifikatoren. Managementempfehlungen gemäß CAD-RADS 2.0 haben einen mittleren Empfehlungsgrad (2.4).

SCCT 2026, Abschn. „f. Impression“, S. 35–36; Tab. 6 (Impression/Conclusion und Recommendation), S. 52 · “A CAD-RADS category of stenosis (0,1,2,3,4A,4B,5,N) followed by plaque volume (P1,P2,P3,P4) and then modifiers (N,HRP,I,S,G,E) can be given following CAD-RADS 2.0 system”

In der Praxis. Die Beurteilung fasst die koronaren Befunde mit dem CAD-RADS-2.0-Code zusammen, z. B. „CAD-RADS 3/P2/HRP“. Die Empfehlungen, 2014 noch optional, werden gemäß CAD-RADS 2.0 als Vorschläge formuliert, die der behandelnde Arzt im klinischen Kontext des Patienten bewertet.

Begriff im Glossar: Reihenfolge der CAD-RADS-Modifikatoren

Stenose bei dichter verkalkter Plaque#

SCCT 2014

Die Leitlinie wies lediglich darauf hin, dass verkalkte Plaques und Stents durch das Blooming-Artefakt das Lumen stärker einzuengen scheinen, als sie es tatsächlich tun. Wie die Stenose zu graduieren und zu formulieren ist, legte sie nicht fest.

SCCT 2014, Abschn. 5.1.2 (Metal density artifacts), S. 346 · “blooming artifacts commonly make calcified plaque and stents appear to narrow the lumen more than they actually do.”

SCCT 2026

Bei dichter verkalkter Plaque wird der höchste sichtbare Stenosegrad angegeben, mit dem Hinweis, dass er durch Kalk-Blooming überschätzt sein kann (starke Empfehlung, 2.6). Der Text nennt zwei weitere Optionen: 10–20 % abzuziehen oder das Segment als nicht interpretierbar zu werten.

SCCT 2026, Tab. 5, S. 51; Abschn. „e. Dense calcified plaques“, S. 16 · “In a dense calcified plaque, the highest visualized grade of stenosis is interpreted with the expression of potential overestimation from calcium blooming.”

In der Praxis. Bei dichter verkalkter Plaque wird der sichtbare Grad mit diesem Hinweis angegeben, statt ohne Vermerk einen Prozentsatz abzuziehen, z. B. „hochgradige Stenose (70–99 %), durch Kalk-Blooming möglicherweise überschätzt“.

Begriff im Glossar: Blooming-Artefakt (Kalk und Stent)

Mindestkaliber der beurteilten Äste#

SCCT 2014

Die Leitlinie legte kein Mindestkaliber für die Beurteilung fest; sie forderte nur anzugeben, welche Arterie oder welches Segment nicht interpretierbar war und warum. Der einzige Schwellenwert von 1,5 mm fand sich in der Definition des D1.

SCCT 2014, Abschn. 5.5, S. 348; Anhang 1, S. 358 · “In addition, the reader should specifically state if an artery or artery segment is not interpretable and why.”

SCCT 2026

In einer Untersuchung guter Bildqualität werden alle Äste ab 1,5 mm beurteilt (starke Empfehlung, Tab. 5), in einer Untersuchung mit Standardqualität die Äste ab 2,0 mm. Jedes nicht interpretierbare Segment ab 1,5 mm wird mit seiner Ursache benannt. Eine gut sichtbare Plaque in einem kleinen Gefäß wird ebenfalls angegeben, mit dem Vermerk, dass das Kaliber klein ist.

SCCT 2026, Abschn. „d. Qualitative grading of stenosis“, S. 15; Tab. 5, S. 51 · “With a good-quality scan, all branches with diameter ≥ 1.5 mm and with a standard quality scan, all branches with diameter ≥ 2.0 mm should be included in the interpretation”

In der Praxis. Äste unter 1,5 mm werden weder graduiert, noch begründen sie ein N. Ist dort eine Plaque gut erkennbar, wird sie beschrieben und das kleine Gefäßkaliber vermerkt. In einer Untersuchung mit Standardqualität steigt der Schwellenwert auf 2,0 mm.

Begriff im Glossar: Mindestkaliber der beurteilten Äste

Läsion an der Grenze zweier Segmente oder in einer Bifurkation#

SCCT 2014

Es gab keine Regel für die Zuordnung einer Läsion an der Grenze zwischen zwei Segmenten; die Leitlinie empfahl lediglich, ein standardisiertes Segmentmodell zu verwenden.

SCCT 2014, Abschn. 5.3 (Coronary segmentation), S. 346 · “A standardized approach to coronary segmentation improves description and communication of findings.”

SCCT 2026

Eine Erkrankung an der Grenze zweier Segmente, einschließlich Bifurkationen, wird dem vorangehenden, also dem weiter proximal gelegenen Segment zugeordnet.

SCCT 2026, Abschn. „a. Coronary artery anatomy“, S. 11 · “Disease at the intersection of segments (including bifurcations) is assigned to the preceding coronary segment.”

In der Praxis. Eine fokale Plaque am Übergang vom proximalen zum medialen RIVA (LAD) wird dem proximalen RIVA zugeordnet und nicht beiden Segmenten. So wird die Läsion mit einem einzigen Segment benannt und im SIS nur einmal gezählt.

Begriff im Glossar: Zuordnung einer Läsion an Segmentgrenzen und Bifurkationen

Ende des proximalen RIVA (LAD) und Definition von D1 und D2#

SCCT 2014

Der proximale RIVA endete am ersten großen Septalast oder am D1, je nachdem, welcher zuerst abging. Der D1 war der erste Diagonalast mit einem Kaliber von mindestens 1,5 mm.

SCCT 2014, Anhang 1 (Axial coronary anatomy legend), Segmente 6 und 9, S. 358 · “End of LM to the first large septal or D1 (first diagonal; >1.5 mm in size) whichever is most proximal”

SCCT 2026

Der proximale RIVA endet nur am ersten großen Septalast. D1 und D2 sind, in der Reihenfolge ihres Abgangs, der erste und der zweite der beiden kaliberstärksten Diagonaläste, die über die anterolaterale Wand des linken Ventrikels verlaufen.

SCCT 2026, Tab. 1 (Segmente 6, 9 und 10), S. 47 (Pre-Proof) · “End of LM to the first large septal branch … First of the largest two diagonal branches traversing the anterolateral left ventricular wall”

In der Praxis. Ein Diagonalast, der vor dem ersten großen Septalast abgeht, markiert nicht mehr das Ende des proximalen RIVA. Ein kleiner, proximal abgehender Diagonalast wird nicht als D1 bezeichnet, da diese Bezeichnung dem ersten der beiden kaliberstärksten Diagonaläste vorbehalten ist.

Begriff im Glossar: Ramus interventricularis anterior (RIVA) proximal, medial und distal

Plaquetyp: teilverkalkt und überwiegender Anteil ab 75 %#

SCCT 2014

Der Plaquetyp wurde segmentbezogen als verkalkt, überwiegend verkalkt, nicht verkalkt, überwiegend nicht verkalkt oder „teilweise nicht verkalkt“ beschrieben, ohne Schwellenwert für das Überwiegen. „Nicht verkalkt“ wurde bereits gegenüber „weich“ oder „lipidreich“ bevorzugt.

SCCT 2014, Abschn. 10.6.2, S. 352; Abschn. 5.4, S. 346 · “Plaque type should be described as calcified, predominant calcified, noncalcified, predominant noncalcified, or partially noncalcified.”

SCCT 2026

Der Plaquetyp wird segmentbezogen in drei Klassen erfasst: verkalkt, teilverkalkt und nicht verkalkt (starke Empfehlung, Tab. 6). Eine teilverkalkte Plaque kann als überwiegend verkalkt oder überwiegend nicht verkalkt präzisiert werden, wenn der jeweilige Anteil mindestens 75 % beträgt. Die Leitlinie empfiehlt „nicht verkalkt“ oder „niedrige Dichte“ statt „weich“ oder „lipidreich“.

SCCT 2026, Abschn. „b. Atherosclerotic plaque“, S. 13; Tab. 6, S. 52 · “A partially calcified plaque can be specified as predominantly calcified with ≥ 75 % of the plaque component calcified”

In der Praxis. Geschrieben wird „teilverkalkte Plaque“ statt „teilweise nicht verkalkte Plaque“; der Zusatz „überwiegend“ bleibt einem Anteil von mindestens 75 % vorbehalten. Der Verzicht auf „weich“ ist keine Neuerung, da bereits die Leitlinie von 2014 davon abriet. In diesem Glossar ist „niedrige Dichte“ dem Hochrisikomerkmal (<30 HU) vorbehalten; für den Plaquetyp wird „nicht verkalkt“ verwendet.

Begriff im Glossar: Teilverkalkte Plaque

RCX (LCX): nur proximales und distales Segment#

SCCT 2014

Segment 13 hieß „mittlerer und distaler RCX“ und verlief in der atrioventrikulären Furche distal des OM1 bis zum Gefäßende oder bis zum Abgang des linken Ramus interventricularis posterior.

SCCT 2014, Anhang 1, Segment 13, S. 358 · “Mid and distal LCx … Traveling in the atrioventricular groove, distal to the OM1 branch to the end of the vessel or origin of the L-PDA (left PDA)”

SCCT 2026

Der RCX wird nur in ein proximales und ein distales Segment unterteilt. Segment 13 ist der distale RCX und umfasst den übrigen Verlauf der Arterie in der atrioventrikulären Furche distal des OM1. Ein mittleres RCX-Segment definiert die Leitlinie nicht.

SCCT 2026, Abschn. „a. Coronary artery anatomy“, S. 11; Tab. 1, Segment 13, S. 47 · “the left circumflex coronary (LCx) artery is divided into proximal and distal segments”

In der Praxis. Eine Läsion distal des OM1 wird als „distaler RCX“ angegeben, nicht als „mittlerer RCX“ oder „mediodistaler RCX“. Die Grenze zwischen beiden Segmenten bleibt der Abgang des OM1.

Begriff im Glossar: Ramus circumflexus (RCX) proximal und distal

Literatur

  1. Rajiah PS, Alkadhi H, Andreini D, Bullock-Palmer RP, Chinnaiyan K, Chow B, et al. Interpretation and reporting of coronary computed tomographic angiography (2026 update): an expert consensus document of the Society of Cardiovascular Computed Tomography (SCCT). J Cardiovasc Comput Tomogr. 2026. Im Druck. doi:10.1016/j.jcct.2026.08.014 Die zitierten Seiten beziehen sich auf das vorläufige PDF (Journal Pre-proof).
  2. Leipsic J, Abbara S, Achenbach S, Cury R, Earls JP, Mancini GBJ, et al. SCCT guidelines for the interpretation and reporting of coronary CT angiography: a report of the Society of Cardiovascular Computed Tomography Guidelines Committee. J Cardiovasc Comput Tomogr. 2014;8(5):342-58. doi:10.1016/j.jcct.2014.07.003