Bildqualität und Artefakte in der Koronar-CT-Angiographie
Dr. David F. Cuevas Cueto · Aktualisiert am 27. September 2026 · Quellen: SCCT 2026 und CAD-RADS 2.0
Bevor eine Stenose graduiert wird, ist zu klären, wie verlässlich das Bild ist. Dieser Abschnitt behandelt nach dem SCCT-Konsens 2026 die Skala der Gesamtbildqualität, das nicht beurteilbare Segment und die Artefakte, die eine Erkrankung vortäuschen oder verdecken können. Die Verwendung von N als Kategorie oder als Modifikator wird im Abschnitt zu CAD-RADS erläutert.
Das Wichtigste
Die Gesamtbildqualität wird mit einer visuellen Skala bewertet, etwa von exzellent bis nicht diagnostisch, und durch das Artefakt, seine Auswirkung und die angewandte Korrektur ergänzt.
Kann ein Segment mit einem Durchmesser ≥1,5 mm nicht interpretiert werden, nennt der Befund das Segment und das Artefakt, das die Interpretation verhindert.
Bevor ein Segment als nicht beurteilbar gilt, werden die übrigen Phasen und Rekonstruktionen geprüft, weil sich viele Artefakte dort ändern oder verschwinden.
Atem- oder Körperbewegung verschiebt auch Sternum und Wirbelsäule und lässt sich, anders als die Herzbewegung, nicht durch eine andere Phase beheben.
Über dichtem Kalk wird der höchste sichtbare Stenosegrad angegeben, mit dem Hinweis, dass das Blooming ihn überschätzen kann.
Ein hypodenser Streifen neben Kalk, Stent oder dichtem Kontrastmittel kann ein Aufhärtungsartefakt sein und nicht verkalkte Plaque oder einen Perfusionsdefekt vortäuschen.
Weitere Bezeichnungen:Bildqualität, Untersuchungsqualität, technische Qualität(Bezeichnung in der Befundvorlage von CAD-RADS 1.0, „Technical quality“), image quality
Da es keinen etablierten Standard gibt, empfiehlt die SCCT 2026, die gesamte Untersuchung mit einer visuellen Skala zu bewerten, z. B. exzellent, gut, durchschnittlich, eingeschränkt, schlecht oder nicht diagnostisch.
Formulierung im Befund
Bildqualität: eingeschränkt aufgrund unzureichender Lumenkontrastierung, die die Beurteilung der distalen Segmente limitiert.
Abgrenzung: „Nicht diagnostisch“ als Bildqualität ist eine Stufe der visuellen Skala, mit der die gesamte Untersuchung bewertet wird; CAD-RADS N wird aufgrund von Segmenten ≥1,5 mm vergeben, die nicht sicher interpretiert werden können.
Quelle: SCCT 2026, Befund, Abschn. d „Image quality and findings“, und Tab. 6, S. 35 und 52 · “With no established standards for overall study quality, a visual schema such as excellent, good, average, fair, poor or non-diagnostic is recommended.”
Details
In der Praxis. Sie wird im Befund vor der Beschreibung der Koronararterien angegeben. Die SCCT 2026 verlangt, sie durch die vorhandenen Artefakte zu ergänzen, mit ihrer Art, ihrer Auswirkung auf die Interpretation und gegebenenfalls der angewandten Korrektur.
Fallstrick. Die Kategorie N allein wegen einer „schlechten“ Gesamtbildqualität zu vergeben ist falsch. N richtet sich nach den Segmenten, die nicht interpretiert werden konnten.
In anderen Quellen. Die Befundvorlage von CAD-RADS 1.0 verknüpfte jede Stufe der technischen Qualität mit Artefakten: Eine exzellente Untersuchung war artefaktfrei, eine gute wies geringe, eine adäquate mäßige und eine schlechte oder suboptimale schwere Artefakte auf. Die SCCT 2026 schlägt sechs Stufen vor und definiert keine davon. (CAD-RADS 1.0, Abb. 16)
In CCTA Map
Das Auswahlfeld „Bildqualität“ unter der Überschrift „Befundentwurf“, neben „Kontext“ und „Indikation“, bietet diese sechs Stufen an, ist auf „gut“ voreingestellt und eröffnet den Befund mit einer Zeile wie „Bildqualität: gut.“; bei „—“ entfällt die Zeile. Von „exzellent“ bis „schlecht“ ändert die Stufe die Kategorie nicht. Bei „nicht diagnostisch“ ergänzt die Zeile, dass die Beurteilbarkeit des gesamten Koronarbaums eingeschränkt ist, Gefäße und Segmente ohne Befund werden mit „keine abgrenzbaren Läsionen“ formuliert, und die Beurteilung hält fest, dass die Gesamtbildqualität der Untersuchung nicht diagnostisch ist. Ist zudem kein Segment mit „N“ markiert, wendet die Karte die N-Regel auf die gesamte Untersuchung an: Bei einer maximalen Stenose unter 50 % lautet die Kategorie N, z. B. „CAD-RADS N/P1“; ab 50 % wird die Stenose graduiert und der Modifikator ergänzt, z. B. „CAD-RADS 3/P1/N“. Jedes nicht beurteilbare Segment wird weiterhin gesondert mit der Schaltfläche „N“ im Editor markiert.
Nicht beurteilbares Segment (nicht diagnostisch) Non-interpretable (nondiagnostic) segment#
Weitere Bezeichnungen:nicht diagnostisches Segment, nicht auswertbares Segment, nicht interpretierbares Segment, non-evaluable segment
Ein Segment mit einem Durchmesser ≥1,5 mm ist nicht beurteilbar, wenn ein Artefakt seine sichere Interpretation verhindert. Die Leitlinie verlangt, das Segment und das verursachende Artefakt zu benennen.
Formulierung im Befund
RIVA proximal: verkalkte Plaque; das Blooming-Artefakt verhindert eine sichere Beurteilung des Lumens und eine Graduierung der Stenose.
Abgrenzung: Ein nicht beurteilbares Segment ist kein plaquefreies Segment: Sichtbare Plaque wird beschrieben, auch wenn das Lumen nicht graduierbar ist.
„N“ löscht die Plaque des Segments; sie kehrt beim Entfernen von N nicht zurück und fehlt im SIS, in P und im Befund; noch nicht behoben (in der Karte geprüft am 08.10.2026).
Quelle: SCCT 2026, Befund, Abschn. d „Image quality and findings“; außerdem Abschnitt zur Stenose, S. 15 · “Whenever coronary segments are not interpretable, the affected segments and the causative artifact should be stated.”
Details
In der Praxis. Bevor ein Segment als nicht beurteilbar gilt, werden die übrigen Phasen, andere Ebenen und ein anderes Fenster geprüft. Ist es danach weiterhin nicht interpretierbar, werden Segment und Artefakt benannt und die sichtbare Plaque beschrieben. Bei N ergänzt CAD-RADS 2.0 den Modifikator P nur, wenn sich die Gesamtplaquelast zuverlässig beurteilen lässt, etwa mit dem Kalzium-Score. Die Auswirkung auf die Kategorie wird im Abschnitt zu CAD-RADS erläutert.
Fallstrick. Ein „nicht beurteilbares Segment“ ohne Begründung zu befunden lässt den Kliniker im Unklaren darüber, was die Untersuchung eingeschränkt hat. Die Leitlinie verlangt, Segment und Artefakt zu benennen.
In anderen Quellen. Für die Plaquequantifizierung berücksichtigt die SCCT 2024 Bildqualität und Gefäßkaliber. Segmente mit schweren Artefakten werden ausgeschlossen. Ein großes proximales Segment mit mäßigen Artefakten kann analysiert werden, ein kleines distales mit geringen Artefakten unter Umständen nicht. (SCCT 2024, Abschn. 2.2)
In CCTA Map
Die Schaltfläche „N“ im Editor markiert das Segment und stellt es mit doppelter Kontur dar, wie eine bewegungsunscharfe Arterie. Einschränkung der Karte: Beim Markieren wird die Plaque dieses Segments gelöscht, mit Ausnahme eines Stents; wurde die Plaque mit einem Strich gezeichnet, der sich in andere Segmente fortsetzt, bleiben ihre Abschnitte dort mit Grad und Merkmalen erhalten und zählen weiter. Das Entfernen von N stellt die gelöschte Plaque nicht wieder her, und die Wahl eines Stenosegrads entfernt N. Solange das Segment N trägt, zählt es im SIS, in der automatischen P-Bestimmung und im Befund als plaquefrei, auch wenn ihm erneut ein Plaquetyp zugewiesen wird. Dass das Lumen nicht graduierbar ist, bedeutet nicht, dass keine Plaque vorliegt. Ein neuer Strich, der in das markierte Segment hineinreicht, entfernt N ebenfalls. Um die Einschränkung zu umgehen, wird mit „✎ Entwurf bearbeiten“ die sichtbare Plaque beschrieben und die allgemeine Ursache „aufgrund nicht diagnostischer Bildqualität nicht beurteilbar“ durch das Artefakt ersetzt; der bearbeitete Entwurf wird danach nicht mehr aus der Karte aktualisiert. Mit „Auto (Karte)“, der Voreinstellung, ergibt sich P aus dem SIS der beurteilbaren Segmente, auch wenn N vorliegt. Unter „Modifikatoren P · I ▾“ wird P mit „Kalzium (Agatston)“ oder „P wählen“ festgelegt, wenn sich die Gesamtplaquelast zuverlässig beurteilen lässt, und mit „P wählen“ und „—“, wenn nicht.
Wörtliche Ausgabe des Befundentwurfs der Karte
Bildqualität: eingeschränkt.
Ramus interventricularis anterior (LAD): proximales Segment: nicht verkalkte Plaque, milde Stenose (25-49%); der übrige Gefäßverlauf ist unauffällig. Äste D1, D2: unauffällig.
Rechte Koronararterie (RCA): mittleres Segment: aufgrund nicht diagnostischer Bildqualität nicht beurteilbar; der übrige Gefäßverlauf ist unauffällig. Äste AM, PDA, PL: unauffällig.
Beurteilung Nicht diagnostische Untersuchung hinsichtlich einer obstruktiven koronaren Herzkrankheit. CAD-RADS-Kategorie N/P1.
Nicht-obstruktive KHK in LAD.
Nicht beurteilbare Segmente: rechte Koronararterie (RCA) medial.
Es wird kein numerischer Stenosegrad zugeordnet: Die Koronar-CTA kann in diesem Kontext das Vorgehen nicht leiten und eine obstruktive koronare Herzkrankheit kann nicht ausgeschlossen werden. Zusätzliche oder alternative Abklärung erwägen (Wiederholung der CCTA, funktionelle/Stress-Bildgebung oder invasive Angiographie).
Nicht beurteilt, nicht beurteilbar und nachgewiesenes Fehlen Not assessed, nonevaluable and demonstrated absence#
Weitere Bezeichnungen:nicht untersucht(entspricht „nicht beurteilt“), nicht auswertbar(entspricht „nicht beurteilbar“), negativer Befund(entspricht dem nachgewiesenen Fehlen), not assessed
Es handelt sich um drei verschiedene Ergebnisse. Ein Fehlen ist nachgewiesen, wenn der Befund mit ausreichender Qualität gesucht und nicht gefunden wurde. Nicht beurteilbar ist er, wenn die vorliegenden Bilder keine sichere Beurteilung erlauben, wegen eines Artefakts oder weil die erforderliche Phase fehlt. Nicht beurteilt ist er, wenn er nicht untersucht oder der Test nicht durchgeführt wurde, z. B. eine nicht durchgeführte CT-FFR.
Formulierung im Befund
Stent im proximalen RIVA mit Kontrastierung des distalen Gefäßes, wegen Bloomings der Stentstreben hinsichtlich einer Restenose nicht beurteilbar.
Abgrenzung: I− bedeutet, dass eine CT-FFR oder eine CT-Perfusion durchgeführt wurde und für eine Ischämie negativ war; ein Code ohne I schließt keine Ischämie aus: Keines der beiden Verfahren wurde durchgeführt, oder das durchgeführte war nicht diagnostisch, was CAD-RADS 2.0 mit N kennzeichnen lässt.
Quelle: SCCT 2026, Image quality, artifacts & pitfalls, f. False negative findings, S. 28; Befund, f. Impression, S. 36; Tab. 5, S. 51. CAD-RADS 2.0, Abschn. 3.3.1 (N) und 3.3.5 (I) sowie Tab. 1 · “In-stent restenosis is classified as absent, mild (<50%), significant (≥50%), occlusion, or non-evaluable.”
Details
In der Praxis. Eine negative Formulierung wie „keine Plaque“ oder „keine Restenose“ bleibt dem vorbehalten, was mit ausreichender Qualität beurteilt wurde, und die Beurteilung einer unauffälligen Untersuchung setzt voraus, dass weder Plaque noch Stenose vorliegen. Nicht Beurteilbares wird mit seiner Ursache benannt. Nicht alles nicht Beurteilbare erhält N: CAD-RADS 2.0 reserviert N für Segmente ≥1,5 mm, die nicht sicher interpretiert werden können, und erlaubt es auch bei einer nicht diagnostischen CT-FFR oder CT-Perfusion.
Fallstrick. Eine Untersuchung ohne Plaque in den beurteilbaren Segmenten, aber mit einem nicht beurteilbaren Segment als unauffällig zu bezeichnen oder als CAD-RADS 0 zu kodieren. CAD-RADS 2.0 kodiert sie als N, weil die CCTA in diesem Segment eine signifikante Stenose nicht ausschließen kann. Ebenso wenig wird „keine Restenose“ geschrieben, nur weil sich das Gefäß distal des Stents kontrastiert: Laut SCCT 2026 schließt die distale Kontrastierung eine Restenose nicht aus.
In CCTA Map
In der Karte wird ein Segment ohne Befund und ohne „N“ als läsionsfrei formuliert, mit Wendungen wie „keine atherosklerotische Plaque“ oder „der übrige Gefäßverlauf ist unauffällig“, ein mit „N“ markiertes als „aufgrund nicht diagnostischer Bildqualität nicht beurteilbar“. Mit „nicht diagnostisch“ im Auswahlfeld „Bildqualität“ lauten Gefäße ohne Befund „keine abgrenzbaren Läsionen“, und die Qualitätszeile ergänzt, dass das Fehlen abgrenzbarer Läsionen eine Erkrankung nicht ausschließt. Bei anderer Bildqualität werden Gefäße ohne Befund, wenn P über „Kalzium (Agatston)“ oder „P wählen“ festgelegt wurde und keine Plaque eingezeichnet ist, mit „keine Stenose“ formuliert, was Plaque nicht verneint. Für ein nicht beurteiltes Segment gibt es keinen eigenen Status; dieser Fall wird mit „✎ Entwurf bearbeiten“ korrigiert. I erscheint nur, wenn im Bereich „Funktionelle Ischämie (I)“ unter „Modifikatoren P · I ▾“ ein Ergebnis über „CT-FFR“ oder „CTP“ eingetragen wird; ohne diese Angabe enthält der Code kein I. Das Markieren mit „N“ löscht die Plaque des Segments, wie unter „Nicht beurteilbares Segment“ beschrieben.
Weitere Bezeichnungen:Herzbewegungsartefakt, Pulsationsartefakt, Verwacklungsartefakt, motion artifact
Es entsteht durch Herz-, Atem- oder Körperbewegung während der Akquisition und lässt die Gefäßkonturen unscharf erscheinen. Die Herzbewegung betrifft vor allem den vertikalen, sehr beweglichen Abschnitt der RCA.
Formulierung im Befund
RCA medial aufgrund eines kardialen Bewegungsartefakts, das in allen rekonstruierten Phasen fortbesteht, nicht beurteilbar.
Abgrenzung: Das Bewegungsartefakt macht die Gefäßkontur unscharf; das Stufenartefakt verschiebt die Strukturen abrupt an der Grenze zwischen zwei Blöcken, die in unterschiedlichen Herzschlägen akquiriert wurden.
Beim Markieren mit „N“ wegen Bewegung wird die im Segment eingezeichnete Plaque gelöscht, und das Entfernen von N stellt sie nicht wieder her; noch nicht behoben (in der Karte geprüft am 08.10.2026).
Quelle: SCCT 2026, Image quality, artifacts & pitfalls, c. Motion artifacts, S. 25–26 · “Cardiac motion appears as vessel blurring, most commonly in the highly mobile vertical segment of the right coronary artery”
Details
In der Praxis. Zunächst werden vordere Thoraxwand und Wirbelsäule geprüft. Verschieben sie sich zwischen den Blöcken, ist die Bewegung atem- oder körperbedingt und lässt sich nur durch Wiederholung der Akquisition beheben. Andernfalls wird eine andere Phase rekonstruiert, bei hoher Herzfrequenz häufig eine systolische.
Fallstrick. Ein unscharfes Segment ohne Prüfung einer anderen Phase zu graduieren ist ein Fehler, denn Bewegung täuscht Läsionen vor und verdeckt sie. Lässt sich der Befund nicht klären, ist das Segment nicht beurteilbar.
In anderen Quellen. Die SCCT 2014 führte die Gefäßunschärfe auf Bewegung innerhalb eines einzelnen Herzschlags zurück und wies darauf hin, dass andere Rekonstruktionen sie mitunter beheben. Bewegung zwischen Herzschlägen, einschließlich Atem- und Körperbewegung, verursachte dagegen das Stufenartefakt, für das heute die Bezeichnung „misalignment artifact“ gilt. (SCCT 2014, Abschn. 5.1.1)
In CCTA Map
Die Karte erfasst den Artefakttyp nicht. Verhindert Bewegung die Interpretation eines Segments, wird es mit „N“ markiert, und beim Bearbeiten des Entwurfs wird die allgemeine Ursache durch „Bewegungsartefakt“ ersetzt. Das Markieren mit „N“ löscht die Plaque des Segments; wie sie im Befund erhalten bleibt, ist unter „Nicht beurteilbares Segment“ beschrieben.
Wörtliche Ausgabe des Befundentwurfs der Karte
Bildqualität: durchschnittlich.
Ramus interventricularis anterior (LAD): mittleres Segment: teilverkalkte Plaque, moderate Stenose (50-69%); der übrige Gefäßverlauf ist unauffällig. Äste D1, D2: unauffällig.
Rechte Koronararterie (RCA): mittleres Segment: aufgrund nicht diagnostischer Bildqualität nicht beurteilbar; der übrige Gefäßverlauf ist unauffällig. Äste AM, PDA, PL: unauffällig.
Nicht beurteilbare Segmente: rechte Koronararterie (RCA) medial.
Der beurteilbare Koronarbaum stützt diese Kategorie und das Vorgehen kann entsprechend erfolgen; der N-Modifikator weist lediglich darauf hin, dass eine fokale Erkrankung im/in den nicht beurteilbaren Segment(en) nicht ausgeschlossen ist — er impliziert nicht, dass die Untersuchung nicht diagnostisch ist.
Weitere Bezeichnungen:Treppenstufenartefakt(Übersetzung von „stairstep“, Begriff der SCCT 2026), Stair-Step-Artefakt(„stairstep artifact“, Begriff der SCCT 2026), Step-Artefakt(„step artifact“, Bezeichnung, von der die SCCT-Terminologie 2023 abrät)nicht empfohlen, Registrierungsartefakt(„registration artifact“, Bezeichnung, von der die SCCT-Terminologie 2023 abrät)nicht empfohlen, Misregistration-Artefakt(„misregistration artifact“, Bezeichnung, von der die SCCT-Terminologie 2023 abrät)nicht empfohlen, Übergangsartefakt(„transition artifact“, Begriff der SCCT 2026)
Abrupte Verschiebung der Strukturen an der Grenze zwischen Blöcken, die in unterschiedlichen Herzschlägen akquiriert wurden, meist infolge eines unregelmäßigen Rhythmus oder einer fehlerhaften EKG-Triggerung.
Formulierung im Befund
Stufenartefakt in Höhe des medialen RIVA, das eine Stenose vortäuscht und in der Rekonstruktion einer anderen Phase nicht fortbesteht.
Abgrenzung: Verschiebt die Stufe auch Sternum und Wirbelsäule, ist die Ursache atem- oder körperbedingt, und eine andere Phase behebt sie nicht; betrifft sie nur das Herz, beruht sie meist auf dem Rhythmus oder der EKG-Triggerung und lässt sich mit einer anderen Phase beheben.
Quelle: SCCT 2026, Image quality, artifacts & pitfalls, c. Motion artifacts, S. 26 · “Transition (stairstep or misalignment) artifacts occur at slab interfaces from different cardiac cycles, typically due to irregular rhythm or incorrect rhythm gating”
Details
In der Praxis. Es wird in sagittalen und koronalen Rekonstruktionen gesucht, wo die Stufe als horizontale Linie über das gesamte Herz verläuft. Bei Verdacht auf eine Pseudoläsion wird eine andere Phase rekonstruiert oder die Randkorrektur deaktiviert, sodass die tatsächliche Grenze zwischen den Blöcken sichtbar wird.
Fallstrick. Eine Einengung zu graduieren, die mit der Grenze zwischen zwei Blöcken zusammenfällt, kann einen falsch positiven Befund ergeben. Zuvor wird sie in einer anderen Phase oder ohne Randkorrektur bestätigt.
In anderen Quellen. Die standardisierte SCCT-Terminologie 2023 empfiehlt „misalignment artifact“ und rät von den früheren Bezeichnungen „step artifact“, „registration artifact“ und „misregistration artifact“ ab. Die SCCT 2026 spricht von „transition“, „stairstep“ oder „misalignment artifact“. (SCCT-Terminologie 2023, Tab. 4)
In CCTA Map
Die Karte hat für dieses Artefakt kein eigenes Bedienelement. Ein Segment, das weiterhin nicht interpretierbar ist, wird mit „N“ markiert, und im Entwurf wird die allgemeine Ursache durch „Stufenartefakt“ ersetzt. Das Markieren mit „N“ löscht die Plaque des Segments; wie sie im Befund erhalten bleibt, ist unter „Nicht beurteilbares Segment“ beschrieben.
Blooming-Artefakt (Kalk und Stent) Blooming artifact#
Weitere Bezeichnungen:Blooming-Effekt, Kalk-Blooming, Partialvolumeneffekt(Begriff, den die SCCT-Terminologie 2023 für das physikalische Phänomen bevorzugt; er umfasst auch Pseudoläsionen an Bifurkationen und an Blockgrenzen), blooming artifact
Durch den Partialvolumeneffekt innerhalb jedes Voxels verschwimmt die Grenzfläche zwischen Lumen und Kalk bzw. Stent. Das dichte Material erscheint größer, und die Stenose wird überschätzt.
Formulierung im Befund
RIVA proximal: verkalkte Plaque mit hochgradiger Stenose (70–99 %); der Stenosegrad kann durch Kalk-Blooming überschätzt sein.
Abgrenzung: Ist das Lumen durch den Kalk hindurch sichtbar, wird der höchste sichtbare Grad mit dem Hinweis auf Überschätzung angegeben; verdeckt das Blooming das Lumen, ist das Segment nicht beurteilbar, und die Plaque wird dennoch beschrieben.
Beim Markieren mit „N“ wegen Bloomings wird die verkalkte Plaque des Segments gelöscht und verschwindet aus dem Befund; noch nicht behoben (in der Karte geprüft am 08.10.2026).
Quelle: SCCT 2026, Image quality, artifacts & pitfalls, e. Blooming artifact; Tab. 5, S. 27 und 51 · “Blooming artifact results from partial volume averaging within a voxel, causing blurring at interfaces between coronary arteries and calcified plaques or stents and leading to overestimation of luminal stenosis”
Details
In der Praxis. Geprüft werden dünne Schichten mit schärferem Faltungskern oder, falls verfügbar, hochenergetische monoenergetische Bilder. Über dichtem Kalk wird der höchste sichtbare Grad mit dem Hinweis auf eine mögliche Überschätzung angegeben. Ein Stent, dessen Lumen nicht abgrenzbar ist, wird hinsichtlich einer Restenose als nicht beurteilbar befundet.
Fallstrick. Die Stenose über dichtem Kalk mit dem üblichen Fenster zu messen verstärkt das Blooming. Für diese Messung wird das Fenster erweitert, bis der Kalkrand abgrenzbar ist.
In anderen Quellen. Die standardisierte SCCT-Terminologie 2023 bevorzugt „partial volume averaging“ und betrachtet „calcium blooming“ als nicht empfohlene frühere Bezeichnung. SCCT 2026 und CAD-RADS 2.0 behalten „Blooming“ bei, den Begriff, den das Glossar verwendet. (SCCT-Terminologie 2023, Tab. 4)
In CCTA Map
Bei einer als „Verkalkt“ markierten Plaque mit 50–99 % ergänzt der Entwurf „Stenosegrad durch Kalk-Blooming möglicherweise überschätzt“, auch bei Plaque neben einem Stent im selben Segment. In der Beurteilung schlägt er CT-FFR oder funktionelle Ischämiediagnostik vor, falls das Vorgehen vom Stenosegrad abhängt; hat der Patient einen Stent oder Bypass, schlägt er nur funktionelle Ischämiediagnostik vor, und liegt für dieses Territorium bereits ein CT-FFR- oder CTP-Ergebnis vor, wiederholt er den Vorschlag nicht. Ein mit „N“ markierter Stent wird als „Stent aufgrund von Artefakt oder kleinem Kaliber für Restenose nicht beurteilbar“ formuliert. Einschränkung der Karte: Das Markieren mit „N“ löscht die Plaque des Segments, mit Ausnahme eines Stents; eine verkalkte Plaque, deren Lumen wegen Bloomings nicht graduierbar ist, verschwindet daher aus dem Befund. Wie sie erhalten bleibt, ist unter „Nicht beurteilbares Segment“ beschrieben.
Wörtliche Ausgabe des Befundentwurfs der Karte
Ramus interventricularis anterior (LAD): proximales Segment: Stent aufgrund von Artefakt oder kleinem Kaliber für Restenose nicht beurteilbar; der übrige Gefäßverlauf ist unauffällig. Äste D1, D2: unauffällig.
Ramus circumflexus (LCX): proximales Segment: verkalkte Plaque, minimale Stenose (1-24%); der übrige Gefäßverlauf ist unauffällig. Äste OM1, OM2: unauffällig.
Beurteilung Nicht diagnostische Untersuchung hinsichtlich einer obstruktiven koronaren Herzkrankheit. CAD-RADS-Kategorie N/P2/S.
Nicht-obstruktive KHK in LCX und RCA.
Die CCTA hat eine begrenzte Genauigkeit für In-Stent-Restenosen bei kleinkalibrigen Stents (etwa <3 mm); bei klinischem Verdacht funktionelle Bildgebung oder invasive Angiographie erwägen.
Nicht beurteilbare Segmente: Ramus interventricularis anterior (LAD) proximal.
Es wird kein numerischer Stenosegrad zugeordnet: Die Koronar-CTA kann in diesem Kontext das Vorgehen nicht leiten und eine obstruktive koronare Herzkrankheit kann nicht ausgeschlossen werden. Zusätzliche oder alternative Abklärung erwägen (Wiederholung der CCTA, funktionelle/Stress-Bildgebung oder invasive Angiographie).
Abbildung 1. Durch den Partialvolumeneffekt geht die Dichte von Kalk und Stentstreben auf benachbarte Voxel über, und das scheinbare Lumen wird enger. Im Beispiel wird eine tatsächliche Stenose von 40 % als 60 % gemessen und damit von geringgradig zu mittelgradig hochgestuft.
Weitere Bezeichnungen:Strahlaufhärtung, Strahlaufhärtungsartefakt, Beam-Hardening-Artefakt, Streifenartefakt(Bezeichnung, von der die SCCT-Terminologie 2023 für die Strahlaufhärtung abrät)nicht empfohlen
Metall, Kalk und dichtes Kontrastmittel absorbieren bevorzugt niederenergetische Photonen. Angrenzend entstehen hypodense Areale oder Streifen, die nicht verkalkte Plaque oder einen Perfusionsdefekt vortäuschen können.
Formulierung im Befund
RCA proximal: verkalkte Plaque mit angrenzendem hypodensem Streifen, der in den hochenergetischen monoenergetischen Bildern abnimmt, vereinbar mit einem Aufhärtungsartefakt.
Abgrenzung: Das Blooming vergrößert Kalk oder Stentstreben und führt zur Überschätzung der Stenose; die Strahlaufhärtung erzeugt daneben hypodense Areale, die nicht verkalkte Plaque oder eine In-Stent-Hyperplasie vortäuschen.
Quelle: SCCT 2026, Image quality, artifacts & pitfalls, d. Beam hardening and metallic artifacts; Myokard, S. 27 und 31 · “Beam-hardening artifacts arise from preferential attenuation of low-energy photons by metal, calcium, or dense contrast, producing low-attenuation areas or streaks adjacent to bright artifacts”
Details
In der Praxis. Ein Verdacht besteht, wenn die Hypodensität von Kalk, Metall oder dichtem Kontrastmittel ausgeht. Geprüft werden andere Phasen, eine höhere Stufe der iterativen Rekonstruktion oder hochenergetische monoenergetische Bilder. Im Myokard tritt es meist basal inferolateral und apikal auf.
Fallstrick. Den hypodensen Streifen neben Kalk als nicht verkalkten Anteil zu bezeichnen ändert den Plaquetyp. Variiert er zwischen den Phasen oder nimmt er bei hoher Energie ab, spricht dies für ein Artefakt.
In anderen Quellen. Die standardisierte SCCT-Terminologie 2023 rät davon ab, die Strahlaufhärtung als „streak artifact“ zu bezeichnen. Die SCCT 2026 beschreibt gesondert das Metallartefakt, das helle und dunkle Streifen erzeugt. (SCCT-Terminologie 2023, Tab. 4)
In CCTA Map
Die Karte erfasst dieses Artefakt nicht. Erweist sich der Streifen als Artefakt, wird die Plaque als „Verkalkt“ markiert; der Editor entfernt dann bei dieser Plaque die Merkmale „Niedrige Dichte“ und „Napkin-Ring“ und deaktiviert deren Schaltflächen.
Weitere Bezeichnungen:Quantenrauschen, Rauschen, image noise
Bei geringer Photonenzahl erhält das Bild eine körnige Textur mit zufälligen hellen und dunklen Streifen. Starkes Rauschen verdeckt Weichteildetails, insbesondere nicht verkalkte Plaque.
Formulierung im Befund
Starkes Bildrauschen aufgrund des Körperhabitus, das die Detektion nicht verkalkter Plaque einschränkt.
Quelle: SCCT 2026, Image quality, artifacts & pitfalls, a. Excessive noise; Tab. 4, S. 25 und 50 · “Image noise from low photon counts appears as granular texture with random bright and dark streaks.”
Details
In der Praxis. Ursachen sind meist Adipositas, ein für die Patientengröße zu niedriger Röhrenstrom oder zu niedrige Röhrenspannung oder eine Phase, die mit durch EKG-Modulation reduziertem Röhrenstrom rekonstruiert wurde. Es wird mit dickeren Schichten, weicherem Faltungskern oder stärkerer iterativer Rekonstruktion verringert, auf Kosten der Ortsauflösung.
Fallstrick. Ein verrauschtes Segment ohne sichtbare Plaque als unauffällig zu werten ist ein Fehler, denn das Rauschen verdeckt nicht verkalkte Plaque. Lässt sie sich nicht ausschließen, wird die Einschränkung angegeben.
In anderen Quellen. Die SCCT 2014 erlaubte, das Rauschen als Standardabweichung der HU in einer Region homogenen Gewebes zu messen. Sie akzeptierte auch die Angabe als gering, mäßig oder stark, räumte aber ein, dass diese Grade nicht standardisiert sind. (SCCT 2014, Abschn. 10.6.1)
In CCTA Map
Für das Rauschen gibt es kein eigenes Bedienelement. Es wird über das Auswahlfeld „Bildqualität“ im „Befundentwurf“ ausgedrückt; verhindert es die Interpretation eines Segments, wird dieses mit der Schaltfläche „N“ im Editor markiert. Bei „nicht diagnostisch“ ohne mit „N“ markierte Segmente wendet die Karte die N-Regel auf die gesamte Untersuchung an, wie unter „Gesamtbildqualität“ beschrieben. Das Markieren mit „N“ löscht die Plaque des Segments; wie sie im Befund erhalten bleibt, ist unter „Nicht beurteilbares Segment“ beschrieben.
Unzureichende oder inhomogene Lumenkontrastierung Suboptimal contrast enhancement#
Weitere Bezeichnungen:suboptimale Kontrastierung, unzureichendes Enhancement, inhomogene Kontrastierung, suboptimal contrast enhancement
Eine unzureichende Kontrastierung liegt vor, wenn das Lumen nur schwach kontrastiert ist, etwa wegen des Körperhabitus, einer langsamen Zirkulation, der Injektionstechnik oder eines Paravasats. Die Kontrastmittelvermischung kann nicht verkalkte Plaque oder eine Stenose vortäuschen.
Formulierung im Befund
RIVA distal aufgrund unzureichender Lumenkontrastierung nicht beurteilbar.
Abgrenzung: Die Kontrastmittelvermischung ändert sich zwischen den Phasen und geht nicht mit einer Wandverdickung einher; nicht verkalkte Plaque verdickt die Wand und besteht in allen Phasen fort.
Quelle: SCCT 2026, Image quality, artifacts & pitfalls, b. Suboptimal contrast enhancement, und g. False positive findings, S. 25 und 28 · “Suboptimal contrast enhancement, contrast mixing, and flow artifacts can mimic non-calcified plaque or luminal stenosis”
Details
In der Praxis. Ein fraglicher Bereich wird in anderen Phasen, mit anderem Fenster und in dickeren Schichten geprüft, um zu klären, ob eine verdickte Wand oder nur ein schwach kontrastiertes Lumen vorliegt. Niederenergetische monoenergetische Bilder verstärken die Lumenkontrastierung.
Fallstrick. Ein schlecht kontrastiertes distales Segment als plaquefrei zu werten. Ist das Lumen nicht abgrenzbar, ist das Segment nicht beurteilbar und wird mit seiner Ursache benannt.
In anderen Quellen. Die SCCT-Akquisitionsleitlinie 2016 setzt für eine optimale Bildqualität eine intraarterielle Kontrastierung von mehr als 250 HU voraus. Die SCCT 2026 legt keinen Schwellenwert fest, ab dem die Kontrastierung als unzureichend gilt. (SCCT-Akquisitionsleitlinie 2016, Abschn. 4.12.1)
In CCTA Map
Die Kontrastierung wird nicht gesondert erfasst. Sie wird über das Auswahlfeld „Bildqualität“ im „Befundentwurf“ abgebildet, und ein Segment, das wegen mangelnder Kontrastierung nicht interpretierbar ist, wird mit der Schaltfläche „N“ im Editor markiert. Bei „nicht diagnostisch“ ohne mit „N“ markierte Segmente wendet die Karte die N-Regel auf die gesamte Untersuchung an, wie unter „Gesamtbildqualität“ beschrieben. Das Markieren mit „N“ löscht die Plaque des Segments; wie sie im Befund erhalten bleibt, ist unter „Nicht beurteilbares Segment“ beschrieben.
Multiplanare und kurvierte Rekonstruktion Multiplanar and curved multiplanar reformatMPR · CPR#
Weitere Bezeichnungen:multiplanare Reformation(Übersetzung von „multiplanar reformat“, der von der SCCT-Terminologie 2023 und der SCCT 2026 empfohlenen Bezeichnung), kurvierte Rekonstruktion, kurvierte MPR(„curved MPR“ in der SCCT 2026), CMPR(Abkürzung der SCCT 2026; die SCCT-Terminologie 2023 schreibt cMPR), Curved Planar Reformation(„curved planar reformat“, RadLex-Bezeichnung, die die SCCT-Terminologie 2023 aufführt; daher die Abkürzung CPR), gestreckte Rekonstruktion(„straightened MPR“, sMPR, Variante der kurvierten Rekonstruktion, die das Gefäß gerade darstellt)
Die multiplanare Rekonstruktion (MPR) zeigt das akquirierte Volumen in jeder beliebigen Ebene; die kurvierte Rekonstruktion (CPR) folgt der Mittellinie der Arterie und stellt ihren gesamten Verlauf in einem einzigen Längsbild dar, das sich um diese Achse um 360° drehen lässt. Der Querschnitt, also die kurze Gefäßachse, steht senkrecht auf der Mittellinie; er erfasst Lumen und Wand in der gesamten Zirkumferenz und ist meist die Ebene, die Größe und Zusammensetzung der Plaque am besten zeigt.
Formulierung im Befund
Beurteilt wurden die axialen Schichten sowie schräge, kurvierte und Kurzachsen-MPR jeder Koronararterie.
Abgrenzung: Die axiale Schicht, von der SCCT 2026 auch „transverse“ genannt, ist die Körperebene, in der die Akquisition rekonstruiert wird; der Gefäßquerschnitt steht senkrecht auf der Mittellinie und deckt sich mit der axialen Schicht nur dort, wo die Arterie kraniokaudal verläuft.
Quelle: SCCT 2026, Bildformate, b. Multiplanar reformats und c. Curved and straightened MPR, S. 8–9; Koronarinterpretation, S. 11; atherosklerotische Plaque, S. 13; qualitative und quantitative Stenosegraduierung, S. 15–16; falsch negative und falsch positive Befunde sowie Überschätzung, S. 28–29 · “Attention should be paid to post-processing artifacts including centerline misregistration, which can result in false-positive stenosis.”
Details
In der Praxis. Die Stenose wird im Querschnitt und in mindestens zwei zueinander senkrechten Längsebenen beurteilt, und das Lumen wird mit dem eines normalen Referenzsegments verglichen. Ein Mittellinienfehler kann eine falsche Stenose erzeugen; bevor eine in der kurvierten Rekonstruktion gesehene Einengung befundet wird, ist daher zu prüfen, ob die Mittellinie in diesem Abschnitt durch das Lumenzentrum verläuft und ob die Einengung im Querschnitt, in einer anderen Ebene und in den übrigen rekonstruierten Phasen fortbesteht. Die gestreckte Rekonstruktion (sMPR) zeigt das Gefäß gerade und hilft, die höchstgradige Stenose zu lokalisieren; Quantifizierungsprogramme messen Durchmesser und Flächen in Querschnitten, die aus ihr oder aus einer doppelt orthogonalen schrägen MPR gewonnen werden. Koronale und sagittale Ebenen helfen, Artefakte wie den Versatz beim Stufenartefakt zu erkennen.
Fallstrick. Die Stenose nur in der automatischen kurvierten Rekonstruktion zu graduieren. Weicht die Mittellinie vom Lumenzentrum ab, schneidet die Rekonstruktion die Arterie außerhalb ihrer Achse und kann eine nicht vorhandene Stenose zeigen; zudem kann eine einzige Längsebene eine exzentrische Stenose unterschätzen.
In anderen Quellen. Die standardisierte SCCT-Terminologie 2023 empfiehlt „multiplanar reformat“ (MPR) und „curved multiplanar reformat“ (cMPR), betrachtet „curved multiplanar reconstruction“ als nicht empfohlene frühere Bezeichnung und reserviert „reconstruction“ für die Berechnung der Bilder aus den akquirierten Projektionen; das Glossar behält „Rekonstruktion“ bei, wie in seinen übrigen Einträgen. In der von der SCCT 2026 zitierten Studie von Anders 2011 verbesserte die halbautomatische Gefäßextraktion mit kurvierter Rekonstruktion die Genauigkeit gegenüber der interaktiven MPR nicht, und die Autoren raten davon ab, die automatische CPR allein zu verwenden, besonders bei wenig erfahrenen Befundern. (SCCT-Terminologie 2023, Tab. 3; Anders 2011, Eur J Radiol, Abstract)
Bildformate der Koronar-CT-Angiographie: was jedes zeigt, wozu es dient und wo seine Grenzen liegen.
Format
Was es zeigt
Wozu es dient
Grenze oder Vorsicht
Axial
Die Ausgangsschichten mit der höchsten Ortsauflösung und Graustufentreue
Durchsicht des gesamten Volumens; bei 120 kVp Ausgangsfenster mit Lage 300 und Breite 800, angepasst an Habitus, Kalk und Kontrastierung
Gewundene Gefäße sind schwer zu verfolgen
Schräge und Querschnitts-MPR
Das Volumen in jeder Ebene mit der dünnsten verfügbaren Schicht (z. B. 0,6 oder 0,4 mm)
Verfolgung des Gefäßes und Beurteilung der Plaque und ihrer Auswirkung auf Lumen und Wand
Die Stenose wird im Querschnitt und in zwei zueinander senkrechten Längsebenen bestätigt
Kurviert (CPR)
Der gesamte Gefäßverlauf in einem um 360° drehbaren Längsbild
Verfolgung gewundener Gefäße und Ableitung von Längs- und Querschnitten an jeder Stelle
Ein Mittellinienfehler erzeugt falsche Stenosen, und eine einzige Ebene kann eine exzentrische Stenose unterschätzen
Gestreckt (sMPR)
Das Gefäß als gerade Linie
Lokalisation der höchstgradigen Stenose, Beurteilung von Plaque und perikoronarem Fett sowie Quantifizierung
Leitet sich von der kurvierten Rekonstruktion ab; daher wird auch ihre Mittellinie geprüft
MIP
Das Voxel mit der höchsten Dichte entlang jedes Sehstrahls: kontrastiertes Lumen und Kalk
Als Block von 5–10 mm: Ursprung, Verlauf und Lokalisation von Läsionen; als Dünnschicht-MIP: leicht übersehene Läsionen
Nicht zur Graduierung geeignet: unterschätzt nicht verkalkte Plaque, überschätzt verkalkte und verdeckt Perfusionsdefekte
MinIP
Das Voxel mit der niedrigsten Dichte
Perfusionsdefekte des Myokards und Klappen
Die SCCT 2026 erwähnt sie nur für Myokard und Klappen
3D-Volumendarstellung (VRT)
Ein dreidimensionales Bild der Anatomie
Koronaranomalien, Bypässe, angeborene Herzfehler, Eingriffsplanung und Lokalisation von Stenosen
Quantifiziert keine Stenose, beurteilt verkalkte Plaque unzureichend und zeigt nicht verkalkte Plaque nicht
Quelle: SCCT 2026, „CCTA image formats“, Abschn. a–e und h, S. 7–11; quantitative Graduierung, S. 16; falsch negative Befunde, S. 28; Myokard, S. 31
In CCTA Map
Die Karte zeigt weder Bilder noch Rekonstruktionen: In ihr wird markiert, was der Radiologe bereits an der Workstation beurteilt hat, und sie erfasst nicht, in welcher Ebene jede Stenose graduiert wurde. Der mit den Schaltflächen 0–5 unter „Schweregrad“ oder mit dem Regler „Stenosegrad“ gewählte Grad sollte derjenige sein, der im Querschnitt und in zwei Längsebenen bestätigt wurde.
Maximum- und Minimumintensitätsprojektion Maximum and minimum intensity projectionMIP · MinIP#
Weitere Bezeichnungen:Maximumintensitätsprojektion, Minimumintensitätsprojektion, Dünnschicht-MIP(„thin-slab MIP“, Block von wenigen Millimetern), Slab-MIP, MiniP(Schreibweise der Abkürzung im Myokardabschnitt der SCCT 2026)
Die Maximumintensitätsprojektion (MIP) zeigt entlang jedes Sehstrahls durch einen Block der gewählten Dicke das Voxel mit der höchsten Dichte, die Minimumintensitätsprojektion (MinIP) das mit der niedrigsten. Die MIP hebt kontrastiertes Lumen und Kalk hervor; die MinIP hebt Hypodenses hervor, etwa einen myokardialen Perfusionsdefekt. Die MIP verliert die Dichteinformation in der Tiefe und ist für die Stenosegraduierung nicht zuverlässig.
Formulierung im Befund
Subendokardiales hypodenses Areal im inferioren mittventrikulären Segment des linken Ventrikels, sichtbar in den MinIP-Rekonstruktionen in der kurzen Achse mit engem Fenster.
Voraussetzung des Beispiels: Die Hypodensität besteht in mehreren Phasen des Herzzyklus fort; ist sie nur in einzelnen Phasen vorhanden oder wechselt sie zwischen den Phasen ihre Lage, spricht dies für ein Artefakt, etwa eine Strahlaufhärtung.
Abgrenzung: Bei gleicher Blockdicke zeigt die MIP das dichteste Voxel und maskiert einen Perfusionsdefekt, die MinIP zeigt das am wenigsten dichte und hebt ihn hervor, und die gemittelte MPR zeigt die mittlere Dichte.
Quelle: SCCT 2026, Bildformate, d. Maximal intensity projection und h. Other image types, S. 9 und 11; falsch negative und falsch positive Befunde, S. 28; Myokard, S. 30–31. SCCT-Terminologie 2023, Tab. 3 · “MIP should not be interpreted in isolation because it lacks in-depth attenuation information and is unreliable for stenosis assessment, underestimating noncalcified plaque and overestimating calcified disease”
Details
In der Praxis. Die SCCT 2026 schlägt MIP-Blöcke von 5–10 mm vor, um lange Abschnitte rauscharm zu verfolgen und Ursprung, Verlauf und Lokalisation von Läsionen darzustellen. Die Dünnschicht-MIP hilft, Läsionen zu finden, die in Bifurkationsnähe, in kleinen Gefäßen und distal der Anastomose eines Bypasses übersehen werden, und eine scheinbare Stenose in einem gewundenen oder abgeknickten Gefäß zu klären. Was in der MIP auffällt, wird anschließend in Dünnschicht-MPR graduiert. Im Myokard wird die Perfusion am besten in mehreren Ebenen (kurze Achse, Vier- und Zweikammerblick) mit gemittelten MPR von 5–8 mm oder MinIP und engem Fenster beurteilt, z. B. Breite 200 und Lage 100 HU; die MinIP dient auch der Beurteilung der Klappen.
Fallstrick. Eine Stenose in der MIP zu graduieren oder darin nach Perfusionsdefekten zu suchen. Die SCCT 2026 warnt, dass die MIP nicht verkalkte Plaque unterschätzt, verkalkte überschätzt und nicht isoliert interpretiert werden darf und im Myokard zu vermeiden ist, weil sie Defekte maskiert.
In anderen Quellen. Karlo 2012, eine von der SCCT 2026 für falsch negative und falsch positive Befunde zitierte Übersicht, beschreibt die MIP als angiographieähnliches Bild, verwendet Blöcke von 3–5 mm zur Lokalisation von Plaques und rät von Blöcken über 10 mm ab, die Läsionen verdecken oder durch Wandkalk oder benachbarte Stents falsch positive Befunde erzeugen können. In der SCCT 2021 wird die First-Pass-Perfusion mit 8-mm-MinIP in der kurzen Achse und engem Fenster beurteilt, die Spätanreicherung, bei der die Narbe Jod retiniert und dichter erscheint, mit dicken MPR von 5 oder 10 mm oder mit MIP. (Karlo 2012, Insights Imaging, „Post-processing“ und „Evaluation of coronary arteries: step one“; SCCT 2021, Abschn. 4.8, S. 208)
In CCTA Map
Die Karte zeigt keine Bilder und erfasst nicht, in welcher Rekonstruktion ein Befund gesehen wurde. Ein hypodenses Myokardareal in der Ruhe-CCTA hat kein eigenes Feld: Es wird mit „✎ Entwurf bearbeiten“ beschrieben, und der bearbeitete Entwurf wird danach nicht mehr aus der Karte aktualisiert. Der Bereich „Funktionelle Ischämie (I)“ unter „Modifikatoren P · I ▾“ erfasst nur das Ergebnis einer CT-FFR oder einer Stress-CT-Perfusion, über die Verfahren „CT-FFR“ und „CTP“.
Selbsttest
Kurze Fragen zur Überprüfung des Wesentlichen. Die Antwort erscheint nach der Auswahl.
1Die mediale RCA bleibt auch nach Durchsicht aller rekonstruierten Phasen bewegungsunscharf; der übrige Koronarbaum ist gut beurteilbar. Was muss laut SCCT 2026 im Befund stehen?
Die Leitlinie verlangt, die nicht interpretierbaren Segmente und das verantwortliche Artefakt zu benennen. So weiß der Kliniker, welcher Teil des Koronarbaums nicht beurteilt werden konnte und warum. Zum Begriff
2In der kurvierten Rekonstruktion zeigt der distale RIVA eine geradlinig begrenzte Einengung. In der sagittalen Ebene verschiebt auf dieser Höhe eine horizontale Linie die Herzkontur, Sternum und Wirbelsäule verlaufen jedoch durchgehend. Was ist am wahrscheinlichsten?
Eine Stufe an der Blockgrenze, die Sternum und Wirbelsäule ausspart, spricht für ein rhythmusbedingtes Stufenartefakt. Atembewegung würde auch diese Strukturen verschieben. Bestätigt wird dies durch die Rekonstruktion einer anderen Phase. Zum Begriff
3Eine dicht verkalkte Plaque im proximalen RIVA verursacht eine Stenose, die auch mit weitem Fenster und schärferem Faltungskern weiterhin ca. 75 % beträgt. Wie wird sie laut SCCT 2026 befundet?
Tab. 5 empfiehlt, über dichtem Kalk den höchsten sichtbaren Grad mit dem Hinweis auf eine mögliche Überschätzung durch Blooming anzugeben. Manche Befunder ziehen 10–20 % ab; ein stillschweigender Abzug verbirgt die Unsicherheit jedoch vor dem Kliniker. Zum Begriff
4Neben einem dichten Kalkknoten in der proximalen RCA liegt ein hypodenser Streifen. In einer anderen Phase ändert er seine Form, und in der hochenergetischen monoenergetischen Rekonstruktion verschwindet er fast. Was liegt vor?
Die Strahlaufhärtung erzeugt hypodense Areale neben Kalk, die nicht verkalkte Plaque vortäuschen. Sie nimmt in anderen Phasen und in hochenergetischen Bildern ab, während echte Plaque fortbesteht. Zum Begriff
5Bei einem Patienten mit einem BMI von 45 zeigt die Untersuchung eine körnige Textur, die die Beurteilung der Arterienwand erschwert. Welche Änderung der Rekonstruktion verringert das Rauschen?
Dickere Schichten, ein weicherer Faltungskern und eine höhere Stufe der iterativen Rekonstruktion verringern das Rauschen auf Kosten der Ortsauflösung. Dünne Schichten und ein scharfer Faltungskern erhöhen es. Zum Begriff
Literatur
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Tamburino C, Tomasello SD, Capodanno D, Di Salvo ME, Marzà F, Galassi AR. Long-term follow-up after drug eluting stent implantation in left main trifurcations. EuroIntervention. 2009;5(4):432-7. doi:10.4244/eijv5i4a68
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Quellen der Hinweise „In anderen Quellen“
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Nieman K, García-García HM, Hideo-Kajita A, et al. Standards for quantitative assessments by coronary computed tomography angiography (CCTA): an expert consensus document of the SCCT. J Cardiovasc Comput Tomogr. 2024;18(5):429-43. doi:10.1016/j.jcct.2024.05.232
Koweek L, Achenbach S, Berman DS, et al. Standardized medical terminology for cardiac computed tomography 2023 update: an expert consensus document of the Society of Cardiovascular Computed Tomography (SCCT), American Association of Physicists in Medicine (AAPM), American College of Radiology (ACR), North American Society for Cardiovascular Imaging (NASCI), and Radiological Society of North America (RSNA). Radiol Cardiothorac Imaging. 2023;5(4):e230167. doi:10.1148/ryct.230167
Abbara S, Blanke P, Maroules CD, et al. SCCT guidelines for the performance and acquisition of coronary computed tomographic angiography: a report of the Society of Cardiovascular Computed Tomography Guidelines Committee. Endorsed by the North American Society for Cardiovascular Imaging (NASCI). J Cardiovasc Comput Tomogr. 2016;10(6):435-49. doi:10.1016/j.jcct.2016.10.002